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Abhängigkeit der Wirtschaft vom Internet wächst

Studie von IW und BITKOM: 50 Prozent aller Firmen stark vom Web abhängig,
Internetaffine Unternehmen sind innovativer als Internetnachzügler, Intelligente Netze und Datenschutz stehen im Mittelpunkt des Nationalen IT-Gipfels

 

Die Geschäfte der Hälfte aller Unternehmen in Deutschland sind inzwischen stark vom Internet abhängig. Demgegenüber sind 18 Prozent noch komplett offline, für ein knappes Drittel (32 Prozent) spielt das Internet eine geringere Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Hightech-Verbands BITKOM, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Grundlage ist eine repräsentative Umfrage, bei der die Geschäftsmodelle von rund 2.500 Firmen untersucht wurden. Danach investieren internetabhängige Unternehmen überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwicklung, machen einen größeren Umsatzanteil mit Marktneuheiten und beschäftigen mehr Akademiker als andere Firmen. „Für die deutsche Wirtschaft ist das Web die Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts: Es treibt die Konjunktur an und öffnet die Tür zu völlig neuen Geschäftsfeldern“, sagte Prof. Michael Hüther, Direktor des IW Köln.

„Die Untersuchung zeigt, wie stark das Internet inzwischen fast alle Wirtschaftsbereiche bestimmt“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. Damit das Web seine Potenziale für Wachstum und Beschäftigung voll entfalten könne, brauche es geeignete Rahmenbedingungen. Neben dem weiteren Breitbandausbau oder der Linderung des Fachkräftemangels zählen dazu rechtliche Voraussetzungen, z.B. beim Datenschutz oder im Urheberrecht. Aus Sicht des BITKOM sollten weitere Schritte unternommen werden. „Neben der Digitalisierung der Wirtschaft muss jetzt der Fokus auf die Modernisierung der Infrastruktur gelegt werden“, sagte Kempf im Vorfeld des Nationalen IT-Gipfels. Für den Aufbau Intelligenter Netze in den Bereichen Energie, Verkehr, Gesundheit, Bildung und Behörden müssten laut BITKOM in den kommenden Jahren Investitionen von mehr als 130 Milliarden Euro aktiviert werden.
Bei ihrer Untersuchung haben die IW-Forscher die Internetabhängigkeit der Geschäftsmodelle von Unternehmen anhand von neun Kriterien untersucht. Die Firmen haben dabei angegeben, wie stark das Internet u.a. die Beschaffung, ihre Einnahmen oder die Kundenansprache beeinflusst und wie stark das eigentliche Hauptprodukt davon abhängt. Mit diesem Ansatz kann erstmals die Bedeutung des Internets als Querschnittstechnologie über alle Branchen und Anwendungen hinweg erfasst werden. Danach sind die Geschäftsmodelle von 18 Prozent der deutschen Unternehmen stark oder sogar vollständig vom Internet abhängig („Digitale Vorreiter“). Für weitere 32 Prozent wird eine mittlere Abhängigkeit („Digitale Mitte“) festgestellt. Die andere Hälfte teilt sich auf in 32 Prozent („Digitale Nachzügler“), die schwach oder sehr schwach vom Internet abhängig sind und 18 Prozent, die das Internet gar nicht nutzen („Offliner“).

Im Vergleich der Digitalen Vorreiter mit den Digitalen Nachzüglern zeigen sich in Bezug auf ihre Innovationsfähigkeit deutliche Unterschiede. So entwickeln unter den Vorreitern 60 Prozent eigenständig Produkte, bei den Nachzüglern dagegen nur die Hälfte. Die Internetvorreiter erzielen 32 Prozent ihres Umsatzes mit Marktneuheiten, bei den Nachzüglern sind es 18 Prozent. Und der Akademikeranteil liegt bei den Vorreitern bei 39 Prozent, bei den Nachzüglern bei 24 Prozent. Insgesamt repräsentieren die internetabhängigen Unternehmen (Digitale Vorreiter und Digitale Mitte) jeweils 46 Prozent des in Deutschland erwirtschafteten Umsatzes und der Beschäftigten.

Für alle befragten Unternehmen hat das Internet inzwischen große Bedeutung für ihren wirtschaftlichen Erfolg. Jeweils 44 Prozent der Befragten geben an, dass das Internet einen großen Einfluss auf die Kundenpflege sowie auf die Kooperation mit anderen Unternehmen hat. 37 Prozent sagen, dass Internet beeinflusst stark die Kundenansprache und 29 Prozent nennen die Beschaffung. Immerhin 17 Prozent der deutschen Unternehmen geben an, dass das Internet einen entscheidenden Einfluss auf ihr wichtigstes Produkt bzw. ihre wichtigste Dienstleistung hat.  

Im Vorfeld des 6. Nationalen IT-Gipfels in München hat der BITKOM auf die zentrale Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien für Wachstum und Beschäftigung hingewiesen. Bei der Veranstaltung kommen rund 1.000 Spitzenvertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zusammen. Neben Bundeskanzlerin Merkel nehmen Wirtschaftsminister Rösler, Innenminister Friedrich, Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und Gesundheitsminister Bahr teil. „Der IT-Gipfel und die damit verbundenen Projekte sind eine Erfolgsgeschichte“, sagte BITKOM-Präsident Kempf. So wurde im Rahmen des IT-Gipfels die Breitbandstrategie der Bundesregierung entwickelt, die einheitliche Behördenrufnummer 115 eingeführt oder ein IT-Beauftragter der Bundesregierung ernannt.

„Wir erwarten, dass vom Nationalen IT-Gipfel ein Signal für den beschleunigten Aufbau intelligenter Infrastrukturen ausgeht“, sagte Kempf. Eine breite Mehrheit der deutschen Bevölkerung ist überzeugt, dass hier erheblicher Modernisierungsbedarf besteht. Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag des BITKOM sehen 83 Prozent der Bundesbürger einen großen oder sogar sehr großen Modernisierungsbedarf im Bildungssystem sowie je drei Viertel in der Energieversorgung und im Gesundheitswesen. Fast zwei Drittel der Deutschen sehen Erneuerungsbedarf im Verkehr und 60 Prozent in den öffentlichen Verwaltungen. Um der Komplexität dieser Aufgabe gerecht zu werden, regt der BITKOM die Einrichtung eines Nationalen Infrastrukturrats an. „Ein Infrastrukturrat bringt alle wichtigen Akteure aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft an einen Tisch und dient als zentrale Kommunikationsplattform bei der Planung und dem Aufbau intelligenter Netze“, sagte Kempf. Entscheidend sei, dass dabei die Bürger „mitgenommen“ werden.

Ein weiteres zentrales Gipfelthema sind die Aspekte Sicherheit und Vertrauen in der digitalen Welt. „Wir haben im vergangenen Jahr eine Reihe kritischer Ereignisse erlebt“, sagte Kempf. „Dazu zählen Hackerangriffe in großem Stil, von denen wir bei einigen nicht ausschließen, dass sie  staatlich gelenkt waren.“ In Deutschland erschütterte der sog. Staatstrojaner das Vertrauen in Schutz und Sicherheit digitaler Daten und  der Schutz personenbezogener Daten wird breit in der Öffentlichkeit diskutiert. Soziale Online-Netzwerke stehen dabei zunehmend in der Kritik. „Im Rahmen des IT-Gipfels werden konkrete Projekte und Gesetzesinitiativen zur Verbesserung von Datenschutz und IT-Sicherheit angestoßen und umgesetzt“, sagte Kempf. In diesem Jahr zählen dazu Publikationen zur sicheren Nutzung sozialer Netzwerke, ein Leitfaden zum rechtskonformen Einsatz von Cloud Computing oder weitere Schritte bis zum Start der geplanten „Stiftung Datenschutz“. Kempf: „Die Stiftung Datenschutz ist ein wichtiges Instrument, um durch Prüf- und  Zertifizierungsverfahren die Transparenz im Internet zu verbessern.“

Quelle: BITKOM